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© PSYCHOTHERAPIE 03.01.1995Das
Standardwerk der Psychotherapie-Wirkungsforschung: Kognitive
Verhaltentherapie ist jeder Psychoanalyse überlegen
Heilkunst ohne Gebetbuch
Empirische Psychologische Therapie
VON
DIETMAR G. LUCHMANN

Buchbesprechung
Klaus Grawe, Ruth Donati & Friederike Bernauer:
Psychotherapie im Wandel. Von der Konfession zur Profession. Göttingen:
Hogrefe-Verlag, 1994. XIV und 886 S.
Buch
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Die Rezension erschien in gedruckter Form bereits in der Zeitschrift Verhaltenstherapie & psychosoziale Praxis, 1994 (Band 26, Heft
2) Seite 231-241. Die vorliegende Webseite entspricht mit ihrem
Textabschnitt der gedruckten Fassung von Seite
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Luchmann (1994) illustrieren die Möglichkeiten
der modernen psychologischen Therapie. Scotti u.a. (1993, S. 547)
konstatieren, daß "the chronic psychiatric disorders are
not ‘too severe for behavior therapy’, nor should any ‘biological basis’ for
these disorders rule out the use of behavior therapy as a primary or
secondary treatment option".
Im Kampf um den Erhalt von Marktanteilen im Bereich Psychotherapie
artikulieren selbst Ärztevertreter die sträfliche Vernachlässigung dieses
Bereiches, so beispielsweise Zeller
(1994, S. 44): "Einerseits bewertet die gültige
Gebührenordnung eine psychiatrisch-psychotherapeutische Tätigkeit völlig
unzureichend... Andererseits grenzen einige analytisch tätige Gutachter
solche schwergestörten Patienten mit Neurosen, Borderline-Störungen und
Psychosen aus einer regulären psychotherapeutischen Behandlung aus. Hier
liegt der eigentliche Skandal." Grawe u.a. lassen keinen Zweifel, daß
es noch immenser öffentlicher Überzeugungsarbeit bedarf, um die kurzsichtige
"Befürchtung, eine viel verbreitetere Nutzung
psychologischer Behandlungsmöglichkeiten würde die Gesundheitskosten nur
noch weiter nach oben treiben" zu verändern. "Natürlich
kostet eine wirksame psychotherapeutische Behandlung zunächst einmal etwas,
aber diese Kosten werden schon nach kurzer Zeit, und erst recht
längerfristig weit mehr als wettgemacht durch Einsparungen an anderen Orten:
Durch verringerten Medikamentenkonsum, verringerte Kosten für stationäre
Aufenthalte und ambulante Arztbesuche, weniger Frühberentungen, weniger
Ausfälle bei der Arbeit, bessere Arbeitsleistungen, weniger Unfälle, weniger
Suizide" (S. 681).
Diese gesunde Logik besitzen manche Patienten noch in größerem Maße als ihre
Kranken- oder Rentenversicherer. Da bat den Rezensenten doch eine Patientin:
"Würden Sie mir bitte etwas dazuschreiben, daß Sie es für
meine Krankheit befürworten, daß ich Ihre Therapie mache, und daß eine
psychosomatische Kur für mich schlecht wäre". Wen das Leben wohl
bestrafte? Beide. Natürlich die Patientin, die eine Genehmigung für den
Klinikaufenthalt bzw. eine Ablehnung ambulanter Psychotherapie erhält, und
den Rentenversicherer, der die höheren Kosten einer weniger geeigneten
Behandlung und deren Folgen zu tragen hat. Fast ist es ein Vorteil des
Buches von Grawe u.a., die absurde Realität des gegenwärtigen
Entwicklungstandes der Psychotherapie und der Praktiken im deutschsprachigen
Raum strikt im Fokus nüchterner wissenschaftlicher Verallgemeinerung zu
widerzuspiegeln. Die Realität wäre sonst kaum erträglich.
So ergibt sich, wie Grawe u.a. detailliert aufzeigen, in allen
psychotherapeutischen Indikationsbereichen die paradoxe Situation,
daß die begrenzten finanziellen Mittel die die Krankenkassen, privaten
Krankenversicherungen und Rentenversicherungen in Deutschland für
Psychotherapie bereitstellen, bei dem weit überwiegenden Behandlungsanteil
psychoanalytischer und tiefenpsychologischer Verfahren keineswegs für eine
effiziente und professionelle Psychotherapie mit nachweislicher Senkung der
bekannten psychosomatischen Folgekosten eingesetzt werden, sondern daß
vielmehr die medizinischen und gesamtgesellschaftlichen Folgekosten durch
die "weder ethisch noch volkswirtschaftlich vertretbar[e]"
(S. 1) Behandlung mit weniger wirksamen oder ineffizienten Verfahren
erhöht werden.
In dem von Grawe u.a. ausführlich diskutierten Fall der analytischen Schule
dienen die Behandlungskosten somit eher der Förderung konfessioneller
Aktivität denn nachweislich wirksamer Heilkunde. Sollte man tatsächlich
erwarten, Psychotherapeuten könnten die Fortschritte der Forschung als
Ermutigung und Chance empfinden, die dazu führen, "dass
sie sich mit diesen neuen Methoden vertraut machen und sie nutzen? Die ganze
Perversion der schulorientierten Abgrenzungen im Bereich Psychotherapie
kommt" nach Grawe u.a. (S.746) "darin zum Ausdruck,
dass das ganze Gegenteil geschieht. Diese Neuentwick-
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weiter auf Seite 238 der Druckfassung dieser Rezension.
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